Das 18 Stunden-Rennen (1)
08.12.2011

Am Vormittag bleibt noch etwas Zeit, durch die Stadt zu schlendern, bevor uns ein Nachtbus des Unternehmens Andesmar nach Mendoza bringt. Diesmal eine verschärfte Version, was den Platz angeht. Hier sind leider 4 Sitze nebeneinander, der Bus ist bei weitem nicht so bequem, wie der von La Paz nach Sucre. Der Service ist zwar besser, diesen habe ich allerdings als Sardine in der Dose nicht wirklich wahrgenommen.

 

Das 18 Stunden-Rennen (2)
09.12.2011

... und noch immer sitze ich im Bus. Den Takt gibt Andesmar vor. Zwischendurch gibt es mal was zu essen oder etwas zu trinken, auch werden bis in die Nacht hinein und ab dem frühen Morgen Videos gezeigt - in voller Lautstärke.

Zumindest entschädigt mich die Aussicht. Rechterhand sind nach Sonnenaufgang die Anden mit ihren schneebedeckten Bergen zu sehen. Nach knapp 18 Stunden sind wir endlich am Ziel! Das Tüpfelchen auf dem "i" kommt dann in Form des Taxis. Anschnallen brauche ich mich hier nicht. Bin quasi fest arretiert. Der Taxifahrer bekreuzigt sich alle 2 Minuten. Wahrscheinlich betet er, dass er mich ohne Kettensäge und Schneidbrenner wieder rausbekommt.

Mittags schlendern wir noch zum hiesigen zentralen Platz, nebenan ist eine nette Fußgängerzone mit etlichen Cafés und Restaurants. Ich bestelle mir im Restaurant Munich (kein deutsches Lokal) ein Steak. Zergeht auf der Zunge, stammt aber offenbar vom Dinosaurier. Verdammt, aus welchen Tieren lassen sich denn solche Steaks herausschneiden? Und wieso sind die meisten Argentinier und Argentinierinnen so schlank? Essen die nur alle drei Tage? Schlucken sie täglich Abführmittel? Teilen die sich immer zu zweit oder dritt ein Essen? Letzteres kann ich zumindest nicht beobachten.

Faszinierend an Mendoza ist die Tatsache, dass in allen Straßen große Baumalleen stehen. Viel mehr zu sehen gibt es allerdings nicht.

Weinprobe per Fahrrad
10.12.2011

Noch brauchen wir nicht die ganze Straße...

... könnte sich aber schnell ändern.

Gibt es so etwas wie einen mystischen Platz oder einen mystischen Moment? Wenn ja, dann habe ich ihn zumindest für heute gefunden. Hugo's Place. Hugo's Place? Ja, Hugo's Place.

Wir waren für mehrere Stunden mit dem Fahrrad unterwegs, von einem Weingut zum nächsten, und haben mal ausprobiert, was die Region Mendoza so an leckeren Weinen zu bieten hat. Irgendwann bin ich dann auf "Lemonada" umgestiegen, Wasser mit viel Zitronensaft und verfeinert mit Zitronenmelisse und Basilikum. Die Weine waren echt lecker, der Asphalt echt heiß und die Straßen echt schmal, zumindest so ab der dritten Bodega.

Aber zurück zu Hugo. Nach dem Frühstück sind wir eine Stunde mit einem Stadtbus dort rausgefahren und haben bei McHugo unsere Fahrräder gemietet. Total nette Leute, für jeden ein nettes Wort übrig. Zur letzten Weinverkostung bin ich nicht mehr mit rausgefahren, sondern wieder zurück zu Hugos Place. Irgendwie wurden die Straßen immer schmaler.... Dort saß Señor Hugo mit seiner Gattin und einem Philosophiestudenten, der dort aushilft. Mit ihm habe ich über Nitsche philosophiert. Mit im "Boot" waren ein paar Südafrikaner, Australier, Belgier, Neuseeländer, es gab Wein frei Haus, die Stimmung wurde immer besser, am Schluss wollte gar keiner mehr gehen. Ob es am Wein lag, am tollen Ambiente, den interessanten Leuten, den freundlichen Gastgebern? Ich weiß es nicht, auf jeden Fall haben wir uns alle sauwohl gefühlt. Danke Señora und Señor Hugo!

 

Hoch zu Ross
11.12.2011

Ich reite in Richtung Sonnenuntergang, auf die Berge zu. Gloria, meine Stute, freut sich offenbar auf die Bewegung, denn ich muss sie etwas zügeln, damit sie sich nicht vergaloppiert. Durch ein ausgetrocknetes Bachbett geht es immer höher hinauf. Schließlich erreiche ich die erste Hügelkette der Anden, von wo aus ich einen traumhaften Blick auf die dahinterliegenden Berge habe. Rechtzeitig, bevor die Sonne untergeht, erreiche ich zusammen mit den beiden Caballeros und den anderen Reitern die Estancia, wo ein herzhaftes Barbecue auf uns wartet. Hat Spaß gemacht, der dreistündige Ausritt. Auch hier wieder eine internationale Gruppe. Links von mir sitzt (die gertenschlanke) Maria aus Buenos Aires, die mir bestätigt, dass es für Argentinier ganz normal ist, in Gasthäusern derartige Portionen zu verschlingen. Auf meine Frage, wieso die meisten Argentinier trotzdem schlank sind, erwidert sie augenzwinkernd, dass die anderen Mahlzeiten an dem Tag ausfallen. Rechts sitzt Nadja aus München, die ein Semester lang in Mendoza studiert.

Auf die Frage, ob ich vorher schon reiten war, erzähle ich, dass das eher selten der Fall ist, allenfalls im Urlaub, in Nepal, Lesotho, Norwegen, Alaska, Mexiko und Neuseeland. Damit inzwischen auf allen Kontinenten, wie mir Maria verdeutlicht. Äh, ja. Stimmt!

Mittags haben sich David und ich in eine der zahlreichen Grünanlagen Mendozas gesetzt, eine Flasche Rotwein geöffnet und ein Picknick verspeist.

Alles andere als einfach war zuvor das Kaufen von ein paar Bechern bei Carrefour. Wie in Argentinien üblich, war der Laden proppenvoll. David stellte sich an einer Expresskasse an, er hatte 8 Leute vor sich, ich bei einer normalen, mit zwei Leuten vor mir. Der erste Kunde vor mir war schnell abgefertigt, beim zweiten dauerte es allerdings ewig. Der gute Mann hatte Gutscheine und Rabattmarken für alles und jedes. Hier ist es allerdings so, dass die jeweilige Rabattmarke immer dann vorgezeigt werden musste, bevor ein Artikel eingescannt wurde. Gibt es drei Artikel zum Preis von zwei, müssen erst der Gutschein und dann die drei Artikel eingescannt werden. Wer hier seine Sachen nicht sortiert auf das Band legt, hat verloren! Das dauert, bis der gute Mann jeweils den richtigen Voucher findet!!!

Schließlich signalisiert mir David, dass nur noch zwei Kunden vor ihm sind. Mittlerweile standen wir 36 Minuten in der Schlange, bei meinem Vordermann ist kein Ende abzusehen. Ich verlasse die Schlange, bringe die Becher zurück und warte vor Davids Kasse. Allerdings hatten wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht, weil die beiden Kunden vor David mit Kreditkarte zahlen wollen, der Supermarkt aber für 20 Kassen nur zwei portable Lesegeräte hat. Inzwischen hat der Kunde in meiner Schlange längst bezahlt, David ist aber immer noch nicht dran. Nach insgesamt 50 Minuten verlassen wir den Laden, nach dem Erwerb von 4 Plastikbechern für ca. 0,60 Euro!

 

 

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